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Unhaltbare Zustände in Psychatrie

Der Fall sorgte niedersachsenweit für Aufsehen: Im Klinikum Wunstorf wurden einer Besuchskommission zufolge mehrere demente Senioren angetroffen, die anstatt in einem Zimmer zusammen in vollgestellten Gemeinschaftsräumen übernachten mussten - bei eingeschaltetem Neonlicht. Das Klinikum Hannover, zudem die Psychatrie gehört, entschuldigte das Vorgehen mit einer Überbelegung.

Die Anzahl der Demenzkranken sei zu diesem Zeitpunkt doppelt so hoch gewesen wie zu anderen Zeiten. Da es sich um besonders schutzbedürftige Patienten handele, seien diese nachts in den Aufenthaltsräumen betreut worden.

Überbelegung ist kein Einzelfall

Laut der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) ist eine Überbelegung in der Psychatrie wie in Wunstorf kein Einzelfall in Niedersachsen. Aufgrund der langen Wartezeiten in therapeutischen Praxen wichen immer mehr Betroffene auf Krankenhäuser aus, die diese - anders als in herkömmlichen Kliniken - nicht ablehnen dürften. Ähnliche Fälle wie in Wunstorf sind der NKG jedoch bislang nicht bekannt. Das Problem liegt dabei auf der Hand: In den meisten Häusern ist die Personaldecke viel zu dünn, außerdem wird es immer schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden.

„Das ist wirklich ein unhaltbarer Zustand“, empört sich der SoVD-Landesvorsitzende Adolf Bauer. „Die Krankenhäuser in Niedersachsen - insbesondere im psychatrischen Bereich - müssen endlich so ausgestattet werden, dass sie die Kapazitäten an den Bedarf anpassen, entsprechendes Fachpersonal einstellen und auch angemessen bezahlen können.“
Deshalb unterstützt der SoVD-Landesverband Niedersachsen e.V. auch ein ungewöhnliches Bündnis: Die niedersächsische Allianz für Krankenhäuser. Darin haben sich alle 21 Krankenhäuser des Gesundheitsstandortes Region Hannover zusammengeschlossen, um gegen die dauerhafte Unterfinanzierung im Krankenhaussektor zu kämpfen. „Der  wirtschaftliche Druck in den Kliniken belastet sowohl die Beschäftigten als auch die Patienten“, so Bauer. Die bislang hochwertige Versorgung in Niedersachsen sei damit auf Dauer nicht mehr zu gewährleisten.

Die Proteste des Bündnisses zeigen erste Wirkung: Die Bundesregierung will eine Hilfe von etwa 1,1 Milliarden Euro für die Krankenhäuser auf den Weg bringen. Das Kabinett hat die Unterstützung beschlossen; sie soll in diesem und im kommenden Jahr an die Hospitäler gezahlt werden. „Die Zahlungen sind ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem für die Häuser, die von akuter Geldnot bedroht sind“, findet der niedersächsische SoVD-Chef.

Tropfen auf dem heißen Stein

Allerdings sei der Betrag lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Die Krankenhäuser bleiben noch immer auf etwa 25 Prozent der Kosten für die Tarifsteigerungen sitzen.“ Zudem müsste das Land jetzt bei den Investitionskosten nachziehen und sich um die Gebäude und Geräte kümmern. Die Pläne der Bundesregierung müssen noch Bundestag und -rat passieren.




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