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Pressemitteilung vom 25. August 2014

Banken benachteiligen häufig Geringverdiener bei der Nutzung von Girokonten

Hannover

Banken benachteiligen häufig Geringverdiener bei der Nutzung von Girokonten

Wer im Monat wenig Einkommen erzielt oder bestimmte Sozialleistungen erhält, wird bei Geldinstituten häufig systematisch benachteiligt. Das ist Ergebnis einer Recherche des Sozialverbands Deutschland (SoVD) in Niedersachsen, bei der die rund 60 Beratungszentren, 43 Kreisverbände und Hunderte Ortsverbände des SoVD angeschrieben wurden. Vor allem in Braunschweig und Hannover sollten Geringverdiener bei der Eröffnung und Nutzung eines Girokontos genauer hinschauen. 

Wenn jemand bei der Braunschweigischen Landessparkasse keine Gehalts-, Lohn oder Rentenzahlungen nachweisen kann, wird ihm für vier Euro im Monat ein Ausweichkonto angeboten. Außerdem wird für die kostenlose Kontoführung ein Mindesteingang von 1.000 Euro monatlich erwartet. Als Bedingung kommt hier die Internetnutzung für Überweisungen und Kontoauszüge hinzu. Sogar über ein durchschnittliches Guthaben von 2.000 Euro sollten die Kunden der Volksbank Braun-schweig-Wolfsburg verfügen. Wer weniger verdient, zahlt für das Girokonto 2,50 Euro im Monat. Aber auch die Sparda-Bank Münster will monatlich Lohn-, Gehalts- oder Rentenzahlungen sehen. 

„Banken wollen gering verdienende Kunden nicht haben“

„Dass Konten für Gutverdiener kostenlos sind, aber für Bezieher von Sozialleistungen kostenpflichtig – das ist schon ein kleiner Skandal“, findet Adolf Bauer, SoVD-Landesvorsitzender in Niedersachsen. Es mache den Eindruck, als ob die Banken für Kunden mit geringem Einkommen oder Sozialleistungen unattraktiv sein wollten. Oder diese Kunden gar nicht haben wollten, so Bauer. 

Ähnlich wie in Braunschweig sieht es in Hannover aus: Bei der Sparkas-se müssen monatlich 1.000 Euro eingehen, damit ein kostenloses Girokonto garantiert wird. Gleiches gilt für die Hannoversche Volksbank, sonst zahlt der Bankkunde 7,50 Euro im Monat. Beide Geldinstitute bieten ein kostenloses Girokonto aber nur dann an, wenn das Konto online verwaltet wird. Doch gerade Geringverdiener oder Rentner verfügten seltener über einen Internetanschluss, einen Computer oder ein Smartphone, weiß Landesgeschäftsführer Dirk Swinke aus den Sozialberatungen des SoVD. Im Emsland gibt es keine derartigen Probleme. Doch möchte die dortige Volksbank bei der Eröffnung eines Girokontos schon einmal eine Schufa-Auskunft sehen. In krassen Fällen könnte eine Konto-Eröffnung verweigert werden.

 

Wer keine Lohn-, Gehalts- oder Rentenzahlungen nachweisen kann, muss auch bei der Sparda-Bank Hannover eine Schufa-Auskunft nachweisen. Wirbt ein Kunde einen Arbeitslosen für ein Giro-Konto, bekommt er keine Prämie von 25 Euro. Auch überregionale Banken wie die Commerzbank und die Postbank benachteiligen Menschen mit wenig Einkommen und vermerken in ihrer Preis- und Leistungsübersicht monatliche Mindestbeträge. Wer weniger als 1.200 Euro im Monat erzielt, zahlt bei der Commerzbank 9,90 Euro. Bei der Postbank werden bei unter 1.000 Euro monatlich 5,90 Euro an Kontoführungsgebühren fällig. Derselbe Betrag ist für das klassische Girokonto nötig, wenn die Kunden der Hypo-Vereinsbank im Quartal kein Durchschnittsguthaben von 1.500 Euro nachweisen können.

„Unbedingt das Kleingedruckte lesen“

Der SoVD-Landesvorsitzende Adolf Bauer kritisiert weiter, dass gerade mit kostenlosen Girokonten viel Werbung gemacht werde. Diese aber tatsächlich an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Dirk Swinke aus der Geschäftsführung appelliert an die Eigenverantwortung der Kunden. Er empfiehlt gerade Geringverdienern, das Kleingedruckte der Preis- und Leistungsübersichten genau zu lesen. Auch Vergleichsangebote anderer Banken sollten Neukunden unbedingt einholen. Dagmar Abram, Schatzmeisterin des Ortsverbandes Hannover-Nord-Ost, rät dazu, selbstbewusst auf die Kundenberater zuzugehen und die Konditionen genau zu erfragen. Dabei sollten Kunden auf ihre persönlichen Grenzen eingehen und im Beratungsgespräch Klartext reden.




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