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Spätabbrüche vermeiden! - Beratung der Frauen stärken

13.10.2006

Innerhalb der Parteien wird derzeit über Regelungen zur Vermeidung von Spätabbrüchen diskutiert. Neben einer Pflichtberatung vor dem Abbruch steht eine mehrtägige Bedenkzeit nach der Diagnose zur Diskussion.

Auch die niedersächsische Frauenministerin Mechthild Ross-Luttmann spricht sich für geänderte gesetzliche Vorgaben aus, um Spätabtreibungen zu vermeiden. „Maßgebliches Ziel muss sein, werdenden Eltern und Müttern umfassende Hillestellung bei ihrer Entscheidung zu geben, wenn sie vor der schwierigen Frage der Annahme eines behinderten Kindes oder dem Abbruch der Schwangerschaft stehen“, so Ross-Luttmann. Auch sollte die pränatale Diagnostik mit einer vorausgehenden, umfassenden Beratung durch einen fachkundigen Arzt und einer psychosoziale Beratung verbunden sein. Frühzeitig sollten Eltern über die pränatale Diagnostik aufgeklärt werden. Hilfreich wäre hier auch ein Hinweis auf dieses Beratungsrecht im Mutterpass. Für überlegenswert hält die Ministerin, die Kostenübernahme für die pränatale Diagnostik durch die Krankenkassen nur unter der Voraussetzung zu garantieren, dass die umfassenden medizinischen und psychosozialen Beratungen erfolgt sind. Außerdem hält sie es für notwendig, nach der Feststellung bis zur Vornahme eines Schwangerschaftsabbruchs eine Bedenkzeit von drei Tagen einzuhalten, sofern das Leben der werdenden Mutter nicht akut gefährdet ist, um den Eltern ausreichend Zeit für ihre Entscheidung zu geben.

Andere Vereine und Verbände wie das Weibernetz und Pro Familia haben sich ebenfalls zu den Neuregelungen des Schwangerschaftsabbruchs geäußert und sich gegen eine Pflichtberatung und gegen eine verpflichtende Wartezeit ausgesprochen.

Die Frauen im SoVD unterstützen die Stärkung der Beratung vor Pränataldiagnostik und dass Schwangere vor jeder diagnostischen Maßnahme eine informierte Zustimmung geben sollen. Außerdem sollen Eltern, die eine Spätabtreibung in Erwägung ziehen, in einer unabhängigen Beratung über das Leben mit einem behinderten Kind sowie über Unterstützungsmöglichkeiten informiert werden.

Die Frauen im SoVD Niedersachsen haben sich gegen eine gesetzlich verankerte dreitägige Wartezeit vor einem Schwangerschaftsabbruch und medizinischer Indikation ausgesprochen. Wenn verantwortungsvolle ÄrztInnen Frauen und Paare ausführlich informieren und auf psychosoziale Beratungsangebote hinweisen, entsteht bereits Bedenkzeit. Eine gesetzlich verpflichtende Wartezeit kann auch als zusätzliche Hürde von den Frauen empfunden werden. Auch halten sie die Überlegung der Ministerin für bedenklich, die Kostenübernahme durch die Krankenkassen unter den Vorbehalt einer erfolgten Beratung zu stellen. Vielmehr sollten ÄrztInnen vor der Pränataldiagnostik aufklären und die Folgen deutlich machen. Beratungsstellen und ÄrtzInnen müssen enger miteinander kooperieren und kommunizieren. Außerdem ist das Netz an Beratungsstellen auszuweiten und auf diese kostenlose Beratung auch durch die Ärzte hinzuweisen.

Zudem ist es den Frauen im SoVD wichtig, dass politische und rechtliche Maßnahmen geschaffen werden, die zu einem gesellschaftlichen Klima beitragen, welches Eltern ermöglicht, auch Kinder mit einer Behinderung zur Welt zu bringen.

Die Lebensschutzverpflichtung und das Benachteiligungsverbot des Grundgesetzes gebieten es, dass Eltern, die sich für das Leben und für ein Kind mit Behinderung entscheiden, materiell nicht schlechter gestellt sind, als Eltern, die aufgrund einer nicht vorgenommenen Abtreibung Schadensersatzansprüche für den Unterhalt des Kindes geltend machen können.

Erläuterung

Spätabbrüche werden Schwangerschaftsabbrüche genannt, die im letzten Drittel der Schwangerschaft durchgeführt werden. Genau genommen sind es dann eingeleitete Frühgeburten. Nicht selten werden Schwangerschaften abgebrochen, deren Föten lebensfähig gewesen wären. Der Grund für die Spätabbrüche ist: Die Diagnose einer Behinderung und eine darauf beruhende „Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen und seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren“, wie es im §218 für die medizinische Indikation lautet. Der Hauptauslöser für den späten Abbruch ist also die (mögliche) Behinderung des Kindes (Quelle. Weiberzeit, Ausgabe Nr. 10)




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