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Armut in DeutschlandDer SoVD-Buchtipp: „Kein Pausenbrot, keine Kindheit, keine Chance“

Jeremias Thiel stammt aus einer „Hartz-IV-Familie“ und hat selbst erlebt, wie es sich anfühlt, in einem der reichsten Länder der Erde in Armut aufzuwachsen. In seinem Buch „Kein Pausenbrot, keine Kindheit, keine Chance“ schreibt er darüber, was sich politisch und gesellschaftlich ändern muss, damit alle Kinder – egal aus welcher sozialen Schicht – endlich mit gleichen Chancen groß werden können.

„Mit Armut verbinde ich Überforderung, Last und Strukturlosigkeit.“ – So beschreibt Jeremias Thiel die ersten elf Jahre seines Lebens. Er wächst in einer „Hartz-IV-Familie“ auf, muss jeden Morgen seinen ADHS-kranken Zwillingsbruder für die Schule fertig machen und dazu noch seine langzeitarbeitslosen und psychisch kranken Eltern unterstützen. Er erledigt Einkäufe, hilft beim Ausfüllen von Anträgen und sammelt in seiner spärlichen Freizeit Flaschen, um sich ein kleines Taschengeld zu verdienen. Einladungen zu Kindergeburtstagen? Fehlanzeige – genauso wie ein gesundes Pausenbrot.

Mit elf Jahren hat er verstanden, dass er aus diesem Alltag ausbrechen muss, wenn er es im Leben zu etwas bringen möchte. Also verlässt der wissbegierige Junge seine Familie und findet im SOS-Kinderdorf ein richtiges Zuhause. Mit seinem enormen Einsatz und dank der Unterstützung seiner Lehrerinnen und Lehrer, Betreuerinnen und Betreuer schafft er 2019 das Internationale Abitur und studiert heute Umwelt- und Politikwissenschaften am renommierten St. Olaf College in Minnesota, USA.

Weil Thiel überzeugt ist, dass viele, die in ähnlichen Verhältnissen leben, nicht die Möglichkeit haben, sich daraus zu befreien, erzählt er in seinem Buch seine Geschichte und liefert zugleich einen bewegenden und aufrüttelnden Appell für mehr soziale Gerechtigkeit.