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Krankenkasse will Vierjährigem den Rollstuhl nicht bezahlenWegen Alter und Gesundheitszustand

Der an einem seltenen Gendefekt erkrankte vierjährige Nick Klein soll einen Elektro-Rollstuhl bekommen, damit er selbstständiger wird und mit gleichaltrigen Kindern spielen kann. Die Kostenübernahme für dieses wichtige Hilfsmittel lehnt die Krankenkasse Barmer ab und begründet dies mit dem Alter und den Gesundheitszustand des Jungen. Im Interesse ihres Sohnes kämpfen die Eltern um die Bewilligung des Rollstuhls. Dabei unterstützt sie der Sozialverband Deutschland (SoVD).

Nick Klein ist an einer spinalen Muskelatrophie (SMA) des Typs I erkrankt. Seine Muskeln entwickeln sich nicht richtig. Das Laufen wird er deshalb nicht lernen können und auch sonst ist Nick in seiner Mobilität stark eingeschränkt. Doch der deutlich lebensverkürzende Verlauf der Krankheit konnte durch eine neuartige Gentherapie gestoppt werden. „Nick hatte Glück im Unglück. Wir sind sehr dankbar, dass er die Möglichkeit erhalten hat, diese Therapie mitzumachen und dass er deshalb heute bei uns sein kann“, sagt Nicks Vater Sebastian Klein. Die Eltern freuen sich, dass ihr Sohn trotz der körperlichen Einschränkungen ein lebensfroher Mensch ist, der neugierig die Welt entdecken möchte. „Nick will mit anderen Kindern nach seinen Möglichkeiten mithalten. In diesem Punkt unterscheidet er sich nicht von anderen Kindern in seinem Alter“, so Klein. Aus diesem Grund fördern die Eltern die Neugier des Vierjährigen und wollen ihn dabei unterstützen, so selbstständig wie möglich zu spielen.

Doch das geht nicht ohne Hilfsmittel, wissen die Eltern. Nick hat bereits einen Aktivrollstuhl für den häuslichen Gebrauch. Den kann er aber nur unter großen Anstrengungen bewegen. „Wenn es eine Anhöhe rauf geht, wird es für Nick schnell schwierig diesen zu bewegen. Bei abschüssigen Gelände, kann es aufgrund der Muskelschwäche sogar schnell gefährlich werden für Nick“, sagt sein Vater. Zudem ist das selbstständige Spielen mit den Nachbarskindern nicht möglich, da die Familie an einer Straße wohnt, die eine Steigung hat. Entsprechend oft muss Nick zu Hause bleiben, während andere Kinder herumtollen. „Es macht uns traurig, wenn Nick alleine vor dem Fenster sitzt und den Gleichaltrigen beim Toben zusehen muss, obwohl er lieber draußen wäre und mitspielen würde“, so Sebastian Klein. 

Um seinem Sohn mehr Mobilität zu ermöglichen, hat Sebastian Klein für Nick einen Elektor-Rollstuhl bei der Krankenkasse beantragt. Dass der Vierjährige den Rollstuhl selbst fahren kann, daran zweifelt Klein nicht. „Wir haben das ausprobiert. Ein Bekannter hat den Rollstuhl seines Sohnes zur Verfügung gestellt. Nick ist damit gut klargekommen“, berichtet Klein. Zum Beweis hat er ein Video aufgenommen, das seinen Sohn während der Fahrt mit dem E-Rollstuhl zeigt. Hier ist zu sehen, wie der damals 2,1/2-jährige souverän um enge Kurven steuert und den Umgang mit dem Gefährt ohne Probleme meistert. „Wir haben keine Zweifel, dass Nick mit seinen bald fünf Jahren alt genug ist, um einen Rollstuhl zu fahren“, betont Klein. „Mit dem Rollstuhl wäre Nick selbstständiger. Für seine Entwicklung wäre das ein großer Schritt nach vorne“, findet der Vater. 

Das sieht die Krankenkasse der Kleins jedoch anders. Sie hat den Antrag für die Kostenübernahme des Rollstuhls abgelehnt. Begründet wird dies mit dem Alter des Jungen und dessen Erkrankung. Nick sei nicht selbstständig genug, um das Fahrzeug sicher zu führen, heißt es von Seiten der Krankenkasse. „Seit fast zwei Jahren kämpfen wir schon darum, dass unser Antrag bewilligt wird“, ärgert sich Klein. 

Kritisch sieht er, dass die Krankenkasse bislang nur auf die Einschätzung des Medizinischen Dienstes verlassen hat. Dieser hat lediglich nach Aktenlage geurteilt. „Wenn sich ein Mitarbeiter des Medizinische Dienstes einmal persönlich ansieht, wie gut Nick sich entwickelt und seine Fähigkeiten nicht nur aus der Ferne beurteilt würde, hätte man sicher anders entschieden“, ist sich Klein sicher. 

Nachdem der Antrag sowie der Widerspruch gegen den ablehnenden Bescheid der Krankenkasse erfolglos blieben, wendete sich Klein an den SoVD. „Wir wollen im Interesse unseres Sohnes alles versuchen, damit er diesen Rollstuhl bekommt“, so Klein. „Es läuft ein Verfahren vor dem Sozialgericht“, sagt Rechtsanwalt Frank Rethmeier, der beim SoVD-Landesverband Niedersachsen als Leiter des Sachgebietes Sozialrecht arbeitet. Verstehen kann Rethmeier die ablehnende Haltung der Krankenkasse nicht. Auch er kritisiert das Vorgehen der Krankenkasse, eine solche Entscheidung nach Aktenlage zu treffen. „Es gab keinen ambulanten Termin, bei dem Nick Kleins Fähigkeiten objektiv beurteilt worden sind“, so der Jurist.
 
Familie Klein hofft nun, dass es mit der Unterstützung des Sozialverbandes eine schnelle und positive Lösung gibt und Nick bald eigenständiger mit anderen Kindern spielen kann.