Verband fordert mehr finanziellen Spielraum und einheitliche StandardsSoVD kritisiert: Nur knapp sieben Euro pro Tag für Verpflegung in Pflegeheimen
Hannover. Nicht einmal sieben Euro werden pro Tag für die Verpflegung von Pflegeheimbewohner*innen in Niedersachsen ausgegeben. Das zeigen Zahlen der Schiedsstelle für die Pflegeversicherung. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen zweifelt daran, dass mit diesem Betrag Pflegebedürftige gesund ernährt werden können und fordert von der Landesregierung sofortige Maßnahmen.
Wer in Niedersachsen in einem Pflegeheim wohnt, zahlt derzeit durchschnittlich 857 Euro pro Monat für die Kosten für Unterkunft und Verpflegung aus eigener Tasche. Das Problem: Wie viel von diesem Betrag auf Essen und Getränke entfällt, ist jedoch nicht ganz klar nachvollziehbar. „Die Kosten werden für die Bewohner*innen nicht deutlich aufgeschlüsselt, so dass wenig Transparenz herrscht“, kritisiert Dirk Swinke, Vorstandsvorsitzender des SoVD in Niedersachsen. Die Schiedsstelle für die Pflegeversicherung Niedersachsen geht davon aus, dass in Pflegeheimen Verpflegungskosten von höchstens 6,77 Euro pro Tag und pro Person angemessen seien. „Wenn man sich die gestiegenen Lebensmittelpreise anschaut, ist schon fraglich, wie damit ein gesundes, frisches und altersgerechtes Essen angeboten werden soll“, so Swinke weiter.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) macht zudem deutlich, dass 2024 fast jede*r vierte Pflegeheimbewohner*in untergewichtig war. „Das zeigt deutlich, dass dieses Thema dringend angegangen werden muss. Gute und gesunde Ernährung ist vor allem für alte und kranke Menschen unerlässlich“, betont der niedersächsische SoVD-Chef. Als wichtigste SoVD-Forderung sieht er dabei die Übernahme der Investitionskosten durch das Land: „Damit wäre ein größerer finanzieller Spielraum gegeben für eine hochwertigere Ernährung.“ Es brauche aber auch mehr Qualitätssicherung, indem sich Einrichtungen zu den verbindlichen Standards der DGE verpflichteten. „Und drittens benötigen wir eine transparente Aufschlüsselung, welche Beträge in den Heimen konkret für die Ernährung ausgegeben werden“, sagt Swinke.
Auch an die Bundesregierung hat der Vorstandsvorsitzende einen Appell: „Es gibt für Krankenhäuser bereits Pläne für ein verpflichtendes Screening zur Mangelernährung. Das muss auch in Pflegeheimen bindend eingeführt werden. Es darf nicht an der falschen Stelle gespart werden, denn gute Ernährung verhindert auch Folgekosten.“