Taktung und Barrierefreiheit müssen besser werdenReaktivierung von Bahnstrecken reicht nicht: SoVD verlangt konsequente ÖPNV-Ausbaupläne
Hannover. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen begrüßt die Entscheidung des Landes Niedersachsen, vier stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren. Niedersachsens größter Sozialverband macht dabei aber auch deutlich, dass notwendige Verbesserungen beim bestehenden Bus- und Bahnverkehr nicht aufgeschoben werden dürfen.
Vier Bahnstrecken in Niedersachsen, die bislang außer Betrieb waren, sollen in den nächsten Jahren wieder nutzbar gemacht werden. „Das ist ein wichtiger Schritt, wenn es darum geht, Mobilität sozial gerechter zu gestalten. Gerade im ländlichen Raum können reaktivierte Bahnstrecken dazu beitragen, dass Menschen besser zur Arbeit, ins Kino oder zum Arzt kommen“, erläutert Dirk Swinke, Vorstandsvorsitzender des SoVD in Niedersachsen.
Doch dabei dürfe es das Land nicht belassen. „Der bestehende ÖPNV muss trotzdem konsequent und vor allem kurzfristig ausgebaut werden. Das ist insbesondere für Ältere, Menschen mit Behinderung oder einem geringen Einkommen von großer Bedeutung. Bus und Bahn müssen barrierefrei und auch bezahlbar sein“, fordert der Vorstandsvorsitzende. Eine gute Mobilitätswende zeige sich nicht allein in neuen Gleisen, sondern an vielen aufeinander abgestimmten Bausteinen und ist dann erfolgreich, wenn Menschen tatsächlich zuverlässig von A nach B kommen – unabhängig davon, ob sie ein Auto besitzen.
„Deshalb müssen Buslinien ausgebaut und auf Bahnanschlüsse abgestimmt werden, damit Fahrten auch am Abend und am Wochenende problemlos möglich sind. Auch die Taktung und die Barrierefreiheit sind in Niedersachsen verbesserungswürdig“, kritisiert Swinke. Der Nahverkehr nutze niemandem, wenn nur alle zwei Stunden ein Bus kommt oder ein Mensch im Rollstuhl nicht mitfahren kann. „Rufbusse und Angebote auf Anfrage können hier zwar helfen. Sie dürfen aber nicht ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz ersetzen“, betont der niedersächsische SoVD-Chef.